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Die Erkältung
Erkältungen gehören sicherlich zu den Volkskrankheiten. So hat ein 75-jähriger Mensch
durchschnittlich 200 Mal in seinem Leben an einer Erkältung gelitten.
Besonders scheinen sie Menschen während der sogenannten kalten
Jahreszeit zu erwischen. Jedoch lassen sich Zusammenhänge
zwischen der Temperatur und der Infektion durch die Adeno- und
Rhinoviren nicht belegen. Die Temperatur scheint eher eine indirekte
Rolle zu spielen. Ist die Körperperipherie kühl, so kommt es dort zum
Schutz vor weitere Auskühlung zu einer Vasokonstriktion. Diese
bewirkt eine verringerte Blutzirkulation und somit eine verringerte
Menge an Abwehrzellen.
Taucher haben bekanntermaßen häufiger mit dem Phänomen der Kälte zu tun, sei es der
zugige Baggersee ohne Umkleidekabine, das in europäischen Gefilden eher kalte Wasser,
oder der frische Wind an Bord eines Bootes nach einem Tauchgang. Zudem können auch in
warmen Regionen die Müdigkeit durch Zeitverschiebung oder übergroße Sonnenmenge eine
Reduktion der Immunabwehrkräfte verursachen.
Dass ein Taucher daher bemüht ist, sich durch einen banalen Schupfen nicht seinen
Tauchurlaub verderben zu lassen ist verständlich. Viele versuchen hier vorzubeugen und
kaufen entsprechende, in großer Zahl frei verkäufliche Medikamente ein. Spätestens bei der
Frage der Nasensprays, vielleicht aber schon vorher, wird auch der betreuende Hausarzt
oder der Tauchmediziner mit dem Thema konfrontiert. Nachfolgende Anmerkungen sollen
einen gewissen Überblick über die Behandlungsvielfalt ermöglichen.
No drugs in diving!
Diese ältere Aussage der US-Navy Taucher lässt sich bei den heutigen Sporttauchern so
nicht mehr aufrecht halten. Beispielhaft sei an die vielen Lockerungen in der
Tauchtauglichkeit bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder beim leichtem „Asthma“ erinnert.
Ganz zu schweigen von der größer werdenden Menge an frei verkäuflichen Arzneimittel und
ihren (Neben-)Wirkungen.
Zur Vorsicht sei diesen Ausführungen jedoch noch einmal die klare Aussage vorangestellt:
wer Hilfsmittel wie Nasensprays oder ähnliches benötigt um einen sicheren Druckausgleich
herzustellen, der ist in dieser Situation eindeutig nicht tauchtauglich. Dies gilt um so mehr, je
stärker allgemeine Beeinträchtigungen wie erhöhte Körpertemperatur oder
Kreislaufprobleme hinzu kommen. Von beginnenden Bronchitiden und verschleimten
Atemwegen und ihrer Gefahr für ein Lungen-Barotrauma soll an dieser Stelle gar nicht erst
gesprochen werden.
Natürlich kann man es dabei belassen und sich fragen, warum man dann überhaupt darüber
redet. Der Vergleich mit dem Drogenkonsum und der Empfehlung „wenn schon, dann mit
sauberen Spritzen und Nadeln“ ist sicherlich sehr weit hergeholt. Allerdings kann man auch
bei so banalen Dingen wie frei verkäuflichen Erkältungsmedikamenten allerhand falsch
machen
Erkältung oder Grippe?
Ob man „die Grippe hat“ oder ob es sich bei den Symptomen um eine Erkältung handelt, das
wird in der Bevölkerung nicht weiter unterschieden. Die Influenza wird zwar genau wie die
Erkältung über eine Tröpfcheninfektion übertragen, Erreger sind jedoch die weitaus
aggressiveren Influenzaviren. Dauert eine Erkältung wie es im Volksmund heißt
„unbehandelt 7 Tage, mit Behandlung eine Woche“ und betrifft sie insbesondere die oberen
Atemwege, so kann die oft mit hohem Fieber und Schüttelfrost einhergehende Grippe durch
häufigen bakterielle Superinfektionen gefährlich werden. Letztere können, meist durch
Staphylokokken und Streptokokken ausgelöste, Nasennebenhöhlen- und das
Mittelohrentzündungen hervorrufen. Aber auch Lungenentzündungen, Hirnhaut- und
Herzmuskelentzündungen können die Folge sein.
Symptome
- der Schnupfen hält länger als 10 Tage an
- anhaltendes Fieber auch über 39°C
- stechender oder klopfender Schmerz über Wangenknochen, Stirn oder Zähnen
- Ohrenschmerzen, Ohrausfluss
- anhaltendem, schmerzhaften Husten; gelblicher oder grünlicher Auswurf
- Schluckbeschwerden und eitrigen Mandeln
- geschwollenen Halslymphknoten
- plötzlich einsetzende Beschwerden, elendes, schlappes Gefühl
- Risikopatienten: Schwangere, Asthmatiker, Diabetiker, Menschen mit Herz-Kreislauf Beschwerden
Die erste Abwehrreihe
Die Schleimhäute der Nase sind mit einem Flimmerepithel bedeckt. Diese Flimmerhärchen
schlagen bis zu 900 mal pro Minute und bewegen dabei nicht zur Staub sondern auch Viren
und Bakterien in Richtung Nasenausgang. Hierzu muss die Schleimhaut jedoch möglichst
feucht sein und darf z.B. nicht zu sehr durch Heizungsluft ausgetrocknet worden sein.
Dringen nun sehr viele Viren in die Schleimhautzellen ein und sind die Flimmerhärchen
gleichzeitig in ihrer Funktion beeinträchtigt, so
kommt es zur Entzündung der Schleimhaut.
Um diese abzuwehren wird die Schleimhaut mit mehr
Antikörpern und Abwehrzellen versorgt. Hierzu wird
sie besser durchblutet. Die Blutgefäße weiten sich
und die Schleimhaut schwillt an. Zudem bilden die
schleimproduzierenden Zellen vermehrt Sekret um
die Schleimhäute zu befeuchten und die Viren
herauszuspülen. Hierdurch schwillt jedoch die
Schleimhaut weiter an. Die zunächst wässrig-klare
Flüssigkeit verwandelt sich nach 2-3 Tagen durch die Keime in einen gelblich-grünen und
zähen Schleim.
Sekretionsfördernde Maßnahmen
Um die Eigenheilung zu unterstützen und die Einnistung von Bakterien zu verhindern, muss
der zähe Schleim auf den Schleimhäuten durch das Flimmerepithel möglichst zügig
abtransportiert werden.
Wesentliches Moment der Schleimlösung (Sekretolyse) ist die Schleimhautbefeuchtung, um
die Funktion der Flimmerhärchen und damit des Schleimhautepithles optimal zu
gewährleisten. Neben einer guten Raumluftbefeuchtung gehören intensive Inhalationen
sowie der eventuelle Einsatz von befeuchtenden Kochsalzlösungen in Form von
Nasensprays zu den üblichen Maßnahmen.
Schleimlösende Medikamente (Sekretolytika)
Kochsalz-Nasensprays
Nahezu alle auf dem Markt erhältlichen Kochsalzsprays sind laut Stiftung Öko-Test
(November 2003) „sehr gut“. Diese Sprays kann man nicht nur in der
Apotheke sondern auch in Drogerie- und Supermärkten einkaufen.
Achten sollte man unbedingt auf eventuell enthaltene Zusatzstoffe wie
Konservierungsstoffe, ätherische Öle usw. (siehe auch entsprechende
Ausführungen bei Medikamenten-haltigen Nasensprays).
Alternativ gibt es seit kurzem Nasensalben mit Sesamöl (Nasensalbe
nach Dr. Bader). Diese, wie auch in Deutschland nicht erhältliche Sprays
(Handelsname Nozoil), sollen laut wissenschaftlichen Studien wirksamer
zur Befeuchtung trockener Schleimhäute sein als die Anwendung von Kochsalzsprays [3].
Wasserdampfinhalationen
Durchgeführt mit einer Temperatur von ca. 50°C, schaffen Wasserdampfinhalationen ein
ungünstiges Replikationsmillieu für die üblichen Rhinoviren, fördern durch
gezielte Durchblutungssteigerung (Hyperämisierung) die natürliche
Infektabwehr, steigern die Schleimhautsekretion und öffnen die
Atemwege.
Man benötigt für die „Kochtopf-Handtuch-Methode“ ca. zwei Liter kochendes Wasser.
Diesem kann man 2-3 Tropfen ätherisches Öl zusetzen (nicht für Kinder!), oder 2 Esslöffel
Kochsalz, Kamille, Thymian oder Salbei. Salz und Pfefferminze wirken schleimlösend,
Kamille und Salbei entzündungshemmend.
Der Kopf wird mit einem Handtuch überdeckt, so dass man die ca. 10 Minuten den gesamten
Wasserdampf gleichmäßig über Mund und Nase einatmen kann. Die Augen sollte man
wegen eventueller Reizungen besser geschlossen halten. Anschließend sollte man für ca.
eine Stunde ruhen.
Benutzt man für diese Prozedur ein Inhalationsgerät, so wird der Dampf nur über die Nase
eingeatmet.
Die oben genannten Maßnahmen können so zwar die Verflüssigung des Schleims fördern
und damit die Aktivität des Flimmerepithels erheblich unterstützen, eine Abschwellung der
Schleimhäute bewirken sie jedoch kaum. Die Nasenatmung oder auch die Belüftung der
Tuben und Nasennebenhöhlen bleibt daher meistens behindert. Bei stärkerer
Beeinträchtigung helfen hier nur Schleimhaut-abschwellende Medikamente.
Medikamenten-haltige Nasensprays & -tropfen
(Dekongestiva)
Wirkstoffe und Wirkmechanismen
Die Nasenschleimhäute werden im wesentlichen durch den Nerven des Sympathikus
innerviert. Uber die Erregung der ƒ¿-Rezeptoren kommt es zur
Vasokonstriktion und über die Abnahme der Blutfüllung zur Rückbildung
des Schleimhautodems und zur Schleimhautabschwellung. Somit kommen
in den Dekongestiva überwiegend α -Sympathomimetika als lokal zu
applizierende Substanzen zum Einsatz.
Da jedoch die nasopharyngealen Drüsen überwiegend cholinerg gesteuert sind, kann für
diese Medikamente die Hypersekretion nur sehr wenig beeinflusst werden.
Bekannt sind folgende Wirkstoffe und Generika:
Wirkstoff Präparate (Beispiele) Wirkdauer
Ephedrin Endrine®, Piniol® ca. 2 h
Phenylephrin Vibrocil® ca. 4 h
Imidazolinderivate:
Tetryzolin Nasan®, Rhinopront®, Tyzine® ca. 3 h
Fenoxazolin Snup® ca. 6 h
Indanazolin Farial® ca. 6 h
Naphazolin Privin®, Rhino-Stas® ca. 6 h
Tramazolin Ellatun®, Rhinospray® ca. 6 h
Oxymetazolin Nasivin®, Rhinolitan®Ê ca. 8 h
Xylometazolin Balkis®, Olynth®, Otriven® ca. 8 h
Wirkdauer
Wesentlich sind Kenntnisse über die Wirkdauer und Wirkstärke, aber auch für die zu
erwartenden Nebenwirkungen der einzelnen Wirkstoffe. So gelten die Imidazolderivate
wegen ihrer weitgehend selektiven ƒ¿-Rezeptorenwirkung, ihrer langen Wirkdauer und ihrer
Wirkstärke heute als die geeignete Wirkstoffgruppe, insbesondere auch fur Taucher.
Aber auch in dieser Substanzgruppe gibt es wichtige Unterschiede. So bewirkt eine starke
Vasokonstriktion bei Abklingen der Wirksamkeit einen ebenso starken Reboundeffekt mit
relativer Mehrdurchblutung und erneuter Schleimhautschwellung. Hier gibt es einen
eindeutigen Zusammenhang mit der Abklinggeschwindigkeit des Wirkstoffes. Substanzen mit
sehr langer Wirkdauer klingen langsamer ab und führen zu sehr geringen bis gar nicht
spürbaren Rebounderscheinungen. Hier sind insbesondere die Wirkstoffe Xylometazolin und
Oxymetazolin zu nennen.
Die Verwendung solcher Substanzen beugt weiterhin bei kurzer Einsatzdauer einer
Nasenspray-Abhängigkeit (Privinismus) vor, da sonst überschiesende
Schleimhautschwellung reaktiv mit einer überhohten Daueranwendung verbunden ist.
Priviniusmus / Nasensprayabhängigkeit
Nach Schatzungen von Pharmakologen leiden etwa 100.000 Deutsche an dem sogenannten
Medikamentenschnupfen. Der nach dem erstem im Handel erhältlichen Sympathomimetikum
Privin benannte Priviniusmus entsteht durch die nachlassende Rezeptorenwirkung des
Wirkstoffes an der Gefäsmuskulatur. Die Vasokonstriktion hält zunehmend kurzer an, die
Schleimhaut schwillt zum Teil uberschiesend schnell wieder an. Die Schleimhautschwellung
chronifiziert sich und der Betroffene muss das Spray in immer kurzeren Abständen benutzen
um eine einigermasen frei Nasenatmung zu erhalten.
Warnhinweise auf den Nasenspraypackungen fehlen bisher. Im Beipackzettel findet man
entsprechende Begrenzungen der Anwendungsdauer auf fünf bis sieben Tage. Diese
werden häufig jedoch nicht ernst genommen.
Nach längerer Anwendung kommt es weiterhin zur Reduktion der Drüsenzellenaktivitat, die
Sekretproduktion zur Anfeuchtung der Schleimhäute wird reduziert. Patienten klagen uber
eine ständig trockene Nase. Hierdurch wird zudem die Aktivität des Flimmerepithels
beeinträchtigt und Fremdkörper, Bakterien und Pollen können nicht mehr so gut
abtransportiert werden.
Symptome
- Der Gebrauch des Sprays geht seit Monaten oder gar Jahren.
- Die Nasenschleimhaut ist ständig trocken und gereizt.
- Man geht nicht mehr ohne Vorräte aus dem Haus und man legt sich Vorräte an.
- Tagsüber und auch nachts sind mehrere Anwendungen nötig um eine freie Nasenatmung zu haben.
- Man wacht nachts nervös oder gar panisch auf, weil man bei verstopfter Nase denkt nicht mehr durchatmen zu können.
Die Behandlung der Patienten die dann häufig seit Jahren Nasensprays nutzen ist langwierig
und aufwendig. Hat der HNO-Arzt alternative Gründe für eine Nasenschleimhautveränderung
ausgeschlossen, wird der Entzug trainiert. Zusätzlich werden begleitende Gesprächsrunden
in einer Selbsthilfegruppe empfohlen.
Diagnosen
- Allergien
- Chronische Nasennebenhöhlenentzündungen
- Arzneimittelnebenwirkungen (Acetylsalicylsäure, Bluthochdruck- und Hormonpräparate)
- Hormonelle Veränderungen (Schilddrüse, Schwangerschaft)
- Verkrümmte Nasenscheidewand, zu große Nasenmuscheln
Kombinationswirkstoffe
Wie der allgemeine Rückgang von Kombinationspräparaten ausdrückt, sind diese oftmals
wenig nützlich und nicht immer unproblematisch.
Ätherische Öle vermitteln eine kurzzeitige, oft nur subjektiv empfundene Atemerleichterung.
Die meist nur zur Geruchskorrektur beigemischten Stoffe sind jedoch in höheren
Dosierungen schleimhautirritierend und aufgrund ihres meist öligen Trägermediums wenig
wirksam.
Antihistaminika haben selber keine abschwellende Wirkung und sollten wegen der
Sensibilisierungsgefahr zumindest Nasensprays für akute Rhinitiden nicht beigemischt
werden.
Glucokorticoide haben eine bekannte antiödematöse und antiphlogistische Wirkung und
werden, nicht nur bei allergischer Genese, von einigen Kollegen gerne eingesetzt. Neben
den bekannten Nebenwirkungen der Korticoide ist bei höherdosierter Therapie auch eine
Reduktion des nasalen Flimmerschlages für einen begrenzten Zeitraum nachgewiesen [16].
Trägermedien
Wässrige Lösungen beeinträchtigen die Funktion des Flimmerepithels am wenigsten. Die
meisten phenylephrin- und imidazolinhaltigen Präparate erfüllen diese Forderung. Hydrogele
(z.B. Nasivin® Gel, Otriven® Gel) ermöglichen zwar eine längere Verweildauer, sind jedoch schwer zu dosieren.
Flüssiges Paraffin und andere Öle sollten wegen ihrer zilliarschadigenden Wirkung keine
Verwendung mehr finden (z.B. Endrine® Nasentropfen). Weiterhin besteht die Gefahr
irreversibler intrapulmonaler Ablagerungen, sollten die Tropfen in den Bronchialtrakt
gelangen. Der häufig geäuserte Taucherwunsch nach öligen Tropfen um dem
Trockenheitsgefühl in der Nase entgegen zu wirken, sollte einen sehr nachdenklich stimmen
(Privinismus?), auf einen sparsamen Gebrauch der Medikamente hinweisen lassen und nur mit der Verordnung leicht hypertoner, kochsalzhaltiger Nasentropfen begegnet werden. Eine
bewährte Rezeptur lautet z.B. (Methylhydroxypropylcellulose / Methocel steigert die
Viskosität, erhöht die Verweildauer und den befeuchtenden Effekt):
Rp. Natr. chlorat. 0,15
Methylhydroxypropylcellulos. 0,07
Aq.ad inject. ad 10,00
Konservierungsstoffe
Neben bekannten Allergien auf Konservierungsmittel sind irreversible Schädigungen des
Flimmerepithels durch Benzalkoniumchlorid beschrieben [16]. PEG (Polyethylenglykole) und
PEG-Derviate als Emulgatoren können die Schleimhaut durchlässiger für Schadstoffe
machen. Laut Packungsbeilage dürfen geöffnete Nasensprays nur 5-7 Tage verwendet
werden. Da die Sprays ohne Konservierungsstoffe zudem nicht teurer sind, sollte auf diese
zurückgegriffen werden.
In einigen Sprays sind zusätzlich Hilfsstoffe wie halogenorganische Verbindungen (Stoffe die
meist Chlor, Brom oder Jod enthalten) beinhaltet. Viele dieser Verbindungen gelten als
allergie-, manche sogar als krebsauslösend.
Applikationsformen
Verbreitet sind nach wie vor Tropf-Pipettenflaschen. Hier ist eine relativ exakte Dosierung
zwar möglich, erfordert aber eine gute „Technik“. Nach Applikation bei zurückgelegtem Kopf
muss dieser sofort weit nach vorne gebeugt werden, um ein Ablaufen in den Rachen zu
verhindern. Hierbei sollte leicht „geschnüffelt“ werden, um eine gleichmäßige Verteilung zu
erreichen. Nach drei bis fünf Minuten sollte geschneuzt werden um dann erneut zu
applizieren, da hierdurch nach Abschwellen des vorderen Bereiches auch die hinteren
Schleimhautbereiche erreicht werden.
Bei einer weiteren Methode zur Optimierung der „richtigen“ Einnahme von Nasensprays
muss das Nasenspray in Rückenposition bei überstrecktem Kopf in die Nase eingebracht
werden. Ist die Substanz richtig appliziert und verteilt sie sich wie erwartet, so muss man sie
im Rachen bitter schmecken können. In dieser Position soll sie drei Minuten einwirken.
Beispiel einer optimalen Technik zur Nasentropfen-Applikation [16]
Diese Prozeduren sollen in den ersten drei Stunden alle 30 Minuten (also 6x) wiederholt
werden. Die Wirkdauer der Stoffe ist zwar länger, der Auswascheffekt durch die
Sekretproduktion jedoch sehr hoch. Danach sollen die Nasensprays vier Mal täglich und
hierbei einmal unmittelbar vor dem Schlafen appliziert werden. Auf das
Ausschneuzen soll möglichst ganz verzichtet werden, da sonst Sekret / Eiter
in die Tube gedrückt werden könnte. „Hochziehen“ ist hierbei jedoch
erwünscht. Bei eintretender Beschwerdefreiheit spätestens nach zwei
Tagen soll das Medikament für weitere drei Tage noch zwei Mal täglich
angewendet werden.
Eine deutliche Verbesserung stellen Dosieraerosole und Pumpsprays dar. Hier ist eine
exaktere Dosierung und eine bessere Verteilung durch die Vernebelung zu erreichen. Sie
sollten heute die bevorzugte Applikationsform darstellen. Plastikknautschflaschen eignen
sich wenig für diese Verwendung, da die Düsen ungenau gestanzt sind und die
Freisetzungsmenge sehr stark vom Druck auf die Flasche abhängt.
Medikament Hersteller Preis pro ml
Nasenspray E ratiopharm Ratiopharm 0,28
Nasenspray K ratiopharm Ratiopharm 0,19
Nasivin sanft, Dosierspray Merck 0,54
Olynth 0,1% Schnupfen Dosierspray, Pfizer 0,39
ohne Konservierungsstoffe
Otriven gg. Schnupfen 0,1%, Novartis 0,38
ohne Konservierungsstoffe
Snup akut 0,1% Stada 0,30
Tetrilin E Chephasaar 0,47
Tetrilin K Chephasaar 0,43
Xylo-Comod Ursapharm 0,27
Die neun besten medikamentenhaltigen Nasensprays laut Stiftung Ökotest [1]. Die
angegebenen Arzneimittel wurden alle nur mit "befriedigend" getestet, da die Juroren alle
Medikamente mit α Sympathikomimetika als bedenklich eingestuft hatten. Ein "sehr gut" erhielten nur
einige Salzlösungen. Getestet wurden 52 Präparate.
Oral applizierbare Schnupfenmittel (Grippemittel)
„Eine Pille gegen alles“ ist der verständliche Wunsch vieler von einer Erkältung geplagten
Taucher. „Lindert die schlimmsten Erkältungsbeschwerden auf einmal“ ist daher auch der
verständliche Werbeslogan eines der Marktführer in diesem Bereich. Pharmakologisch
betrachtet sind jedoch nahezu alle Wirkstoffkombinationen in diesem Gebiet bedenklich. Sie
werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Kürze auf Grund der
auslaufenden Fristen für die Neuzulassung von Arzneimitteln vom Markt verschwinden.
Das Problem besteht in den Kombinationsstoffen selber. Wollte man die einzelnen Wirkstoffe
in der für die Symptomatik ausreichenden Dosierung beifügen, wäre die Mischung insgesamt
viel zu hoch. Je mehr Substanzen und je höhere Konzentrationen eine Mischung enthält,
desto schwerer wird es Wechselwirkungen abzuschätzen.
Dies gilt insbesondere für den Wirkstoff Ephedrin und Phenylephedrin. Diese sollen wie
schon im Nasenspray eine Vasokonstriktion hervorrufen. Werden sie systemisch appliziert,
müssten sie wesentlich höher dosiert werden. Dabei würden sie aber auch auf alle andere
Gefäßsysteme wirken und unter anderem Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck
auslösen. Also werden sie zwar zugesetzt, aber in der Regel deutlich zu niedrig dosiert.
Weiterhin enthalten einige Kombinationen völlig unsinnige Bestandteile. In ein
Schnupfenmittel ein Antihistaminikum einzufügen macht nicht
viel Sinn (Grippostad C Kapseln, Perdiphen Dragees, Wick
MediNait Erkältungssaft). Verwendet werden zudem häufig
Antihistaminika der ersten Generation und diese machen
müde. Beigefügtes Koffein soll dies dann in einigen Fällen
überspielen.
Insgesamt könnte man den Eindruck gewinnen, dass hier und da ältere, sonst nicht mehr
veräußerbare Wirkstoffe in Kombinationspräparaten an den Kunden gebracht werden sollen.
So enthält ein Medikament den veralteten Schleimlöser Guaifenisin (Wick Day Med
Erkältungsgetränk). Diesem werden eine Reihe von Unverträglichkeitsreaktionen angelastet.
„Spannend“ sind auch alkoholische Zusätze in Erkältungssäften. So enthalten zwei sehr
populäre Medikamente 18 Volumenprozent Alkohol (Grippostad Gute Nacht-Saft, Wick
MediNait Erkältungssaft).
Last not least enthalten einige Erkältungsgetränke und Granulate künstliche und
gentechnisch veränderte Süßstoffe (Contac Erkältungstrunk, Grippostad Heissgetränk,
Aspirin Complex Granulat, Wick Day Med Erkältungs-Getränk).
Die Empfehlung lautet daher, Einzelpräparate in der für die Symptomatik angemessenen
Dosierung zu verwenden. Zur Senkung eines möglicherweise begleitenden Fiebers soll
hierbei auf Paracteamol zurückgegriffen werden, da Acetylsalicylsäure bei einer Zahl von
Sinusitis-Patienten Allergien auslösen kann. Zudem sollte man zur Linderung der
allgemeinen Symptomatik auch auf die alten Hausrezepte zurückgreifen.
Alternativen
Nachfolgende Darstellungen sollen nur einen Teil der Möglichkeiten sogenannter
„alternativer“ Heilmethoden aufzeigen. Weitere Anregungen findet man in den zahlreichen,
im Handel erhältlichen Bücher.
Wickel
Hierzu zählen die Wadenwickel bei Fieber oder erhöhter Temperatur genauso wie oben
schon beschriebene Wirkungen von ätherischen Ölen. Darüber hinaus werden Quarkwickel
(zur Fiebersenkung), Zwiebelwickel (bei Ohrenschmerzen) usw. empfohlen.
Tee
Weiterhin können verschiedene Tees die Beschwerden lindern. Salbei hilft bei
Entzündungen in Mund und Rachen, Kamille wirkt entzündungshemmend, Ingwer kurbelt
den Kreislauf an und Thymian löst Husten und Schleim. Holunderblütentee führt zu starkem
Schwitzen und dient der Erkältungsvorbeugung. Nicht zuletzt löst heiße Milch mit Honig
Schleim und wirkt entzündungshemmend durch die im Honig enthaltenen, antibiotisch
wirksamen Enzyme.
Pflanzliche Medikamente
Efeuextrakte finden sich in vielen Hustensäften als Schleimlöser. Huflattich wirkt beruhigend
auf entzündete Schleimhäute. Lindenblüten enthalten Flavonoide die schweißtreibend und
Hustenreiz lindernd sind. Malve wirkt bei entzündeten Schleimhäuten und hilft bei trockenem
Reizhusten. Schlüsselblumen enthalten Saponine und sind schleimlösend und Auswurf
fördernd. Gleiches gilt für die Wollblume. Spitzwegerich wird bei Reizhusten eingesetzt. Das
in ihm enthaltene Acubin wirkt zudem entzündungshemmend und antibakteriell.
Pfefferminzöl
Medizinisch werden ätherische Öle u. a. zur Behandlung von Erkältungskrankheiten,
gastrointestinalen Beschwerden, Schmerzen und Bronchitiden verwendet. Es gibt zahlreiche
Studien zur In-vitro-Wirkung ätherischer Öle; die klinische Relevanz dieser Aktivitäten hängt
jedoch von der systemischen Verfügbarkeit der Komponenten in den Zielorganen ab [10, 14].
Eine Voraussetzung für die medizinische Wirkung ist, dass die Wirksubstanzen auch
tatsächlich in den zu erwartenden Anteilen im ätherischen Öl vorliegen.
In der Aromatherapie spielen neben dem pharmakologischen Wirkungsmechanismus auch
semantische, Lust- und psychosomatische Mechanismen eine Rolle [9]. Zum Duft eines
authentischen ätherischen Öles tragen oft Neben- und Spurenkomponenten entscheidend
bei. Daher können ätherische Öle, die in den Anteilen der Hauptkomponenten weitgehend
übereinstimmen, dennoch sehr unterschiedliche Aromen aufweisen.
Häufig und gerne verwendet wird Japanisches Heilpflanzenöl, Minzöl oder Pfefferminzöl. Die allermeisten Käufer wissen jedoch nicht ob es sich bei diesen drei Produkten um gleiche oder unterschiedliche Präparate handelt und ob es hier Wirkunterschiede gibt. Pfefferminzöl stammt von Mentha u piperita Lamiaceae und wird durch Wasserdampfdestillation aus den oberirdischen blühenden Teilen gewonnen [7]. Hauptbestandteile sind Menthol, Menthon, Menthylacetat und 1,8-Cineol. Ein hoher Esteranteil und ein geringer Gehalt an Menthofuran
sind für eine gute Geruchsqualität entscheidend, auch tragen einige Spurenkomponenten (z.
B. Jasmon) wesentlich zur Geruchsverbesserung bei [13]. Pharmakologisch wirkt
Pfefferminzöl u. a.
- spasmolytisch [6, 11],
- sekretolytisch [11]
- motilitätssteigernd [5]
- analgetisch [8].
Neben dem ätherischen Öl von Mentha u piperita wird im Handel gelegentlich auch das
ätherische Öl der Ackerminze unter der Bezeichnung Pfefferminzöl gehandelt. Tatsächlich
handelt es sich dabei jedoch um das teilweise dementholisierte ätherische Öl von Mentha
arvensis L. var. piperascens, das hauptsächlich in Brasilien und China erzeugt wird und
korrekt als Minzöl deklariert werden muss. Gelegentlich wird es auch als Japanisches
Pfefferminzöl bezeichnet [12].
Die Geruchs- und Geschmacksqualität von Minzöl ist geringer als die von Pfefferminzöl [13].
Minzöl ist gaschromatographisch eindeutig von Pfefferminzöl zu unterscheiden. Der
Großhandelspreis von Minzöl liegt zur Zeit bei etwa 20 DM/kg, während Pfefferminzöl etwa
80 DM/kg kostet. Testergebnisse einzelner Präparate konnten in der Literatur leider nicht
gefunden werden.
Erkältungsbäder
Warme Bäder entspannen und tun bei Erkältung gut. 10 bis 20 Minuten bei 35 bis 38 Grad
Celsius sind hier ideal. Der Körperkern wird leicht erwärmt, dies hilft Krankheitserreger zu
bekämpfen. Gleichzeitig werden die Lunge und die Schleimhäute besser befeuchtet und
durchblutet. Setzt man auch noch einen Badezusatz zu, kann man gleichzeitig inhalieren.
Bei letzterem kann man auf Eukalyptus, Kampfer und Menthol zurückgreifen. Diese befreien
die oberen Nasenwege, in dem sie die Kälterezeptoren der Nase stimulieren. Hingegen
wirken Menthol, Pfefferminz- und Eukalyptusöle schleimlösend. Nadelholzöle regen dagegen
die periphere Durchblutung an.
Bei Fieber sollen derartige Bäder unbedingt unterbleiben. Gleiches gilt für Asthmatiker und
Keuchhusten-Patienten. Patienten mit Bluthochdruck und Herzinsuffizienz wird die
Rücksprache mit ihrem Arzt empfohlen
Wichtig ist auch hier möglichst auf den Zusatz von Konservierungsstoffen und Hilfsstoffen zu
verzichten. Der Hilfsstoff Diethylphthalat (benutzt zur Vergällung von Alkohol) steht in
Verdacht Leber, Niere und Fortpflanzungsorgane zu schädigen (enthalten z.B. in Arya Laya
Heil-Kräuter Ölbad Thymian, Frühmesner Gesundheitsbad). Nadelholzöle enthalten häufige
Terpene. Diese können Augen, Haut und Schleimhaut reizen. Hierbei gilt das Terpen Delta-
3-Caren als besonders starkes Allergen (enthalten z.B. in Abtei Erkältungsbad N,
Frühmesner Gesundheitsbad, Salus Alpenkraft Erkältungs-Kräuterbad N, Styx Erkältungs-
Schaumbad, Tannenblut Bad, tetesept Erkältungsbad).
Erkältungsbäder Anbieter Preis pro 100ml
Farmer´s Best Kräuter Bad Eukalyptus Bellmira Cosmetic / Schlecker 0,20
Herbaflor Kräuter Kurbad Eukalyptus Straub 0,36
Das Gesunde Plus Erkältungsbad Dm-Drogerie Markt 0,78
Altapharma Erkältungs-Linderungs-Bad Rossmann 0,80
Gesund Leben Erkältungslinderungsbad Bio-Garten 0,80
Franziskus Erkältungs-Linderungs-Bad Bio-Garten / Schlecker 0,92
die günstigsten Erkältungsbäder nach dem Test der Stiftung Ökotest [1]; alle Produkte
schnitten mit „gut“ ab. Alle o.g. Produkte enthalten jedoch PEG bzw. PEG-Derivate.
Immunstimulantien / Echinacea-Präparate
Zubereitungen aus der weiß, purpur oder rosa blühenden Sonnenhutstaude werden schon
seit Jahrhunderten zur Behandlung von schlecht heilenden Wunden
eingesetzt. Heutzutage werden hauptsächlich Presssäfte aus dem
Kraut des Purpursonnenhutes (Echinacea purpurea) oder
alkoholische Extrakte aus der Wurzel des blassblättrigen
Sonnenhutes (Echniacea pallida) genutzt. Diese sollen vor Grippe,
Erkältungskrankheiten und anderen Infektionen vorbeugen.
Der wissenschaftliche Nachweis einer Immunstimulation steht bis
heute aus. Möchte man eine Erleichterung der Symptome
erreichen, so nutzen diese Medikamente nur etwas bei Einnahme am Anfang einer
Erkrankung. Im Verlauf der Infektion ist der Einsatz nutzlos.
Bekannt sind starke allergische Reaktionen nach Einnahme derartiger Präparate.
Insbesondere Allergikern mit Korbblütler-Allergie muss von der Einnahme abgeraten werden.
Die Stiftung Öko-Test hat 38 Echinacea-Präparate getestet. Dabei gab es nur bei sechs
Präparaten ein „sehr gut“. Häufig mussten unzureichende Beipackzettel, Alkoholzusätze und
sonstige Zusatzstoffe kritisiert werden.
Echinacea-Präparate Produzent Preis pro Tagesdosis
Herbaria naturreiner Heilpflanzensaft Sonnenhut Herbaria 0,38
Florabio naturreiner Heilpflanzensaft Sonnenhut Florabio 0,40
Echinacea-ratiopharm, Liquid alkoholfrei Ratiopharm 1,31
Echiherb Tabletten Duopharm 1,38
Madaus Echinacin Saft alkoholfrei Madaus 1,52
aar vir 100mg Dragees Aar pharma 3,44
Auszug aus dem Echinacea-Präparatetest der Stiftung Öko-Test [1]
Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
Hat sich die Virusattacke auf die Schleimhäute im Hals oder Rachen konzentriert oder
verlagert, merkt man dies recht eindeutig mit anfänglichem Kratzen, brennendem Schmerzen
bei Schlucken und einem wunden Gefühl im Hals. Lymphknotenschwellungen im
Halsbereich können ein zusätzliches Zeichen sein. Hierbei unterscheidet man drei
verschiedene Krankheitsbilder. Die Pharyngitis als Entzündung der Rachenschleimhaut im
hinteren Mundbereich. Hier ist die Seitenstrangangina, meist bei Patienten nach
Mandelentfernung, eine Sonderform. Sie beginnt weit hinten an der oberen Rachenwand,
direkt neben dem unteren Eingang zur eustachischen Röhre. Daher kommt es hierbei häufig
zu zusätzlichen Ohrenschmerzen. Als zweites können Entzündungen des Kehlkopfes
(Laryngitis) auftreten. Hier können Stimmlippe, Kehldeckel oder Kehlkopfschleimhaut
geschwollen sein. Zu oben beschriebenen Symptomen kommt dann eine raue Stimme die
teilweise versagt, Hustenreiz und Räusperzwang hinzukommen. Last not least können sie
die Mandeln entzünden (Angina tonsillaris). Die Mandeln sind Teil des Lymphsystems und im
Halsbereich sozusagen der Vorposten. Sie schlagen Alarm, wenn sie mit fremden Keimen in
Kontakt kommen, entzünden sich und schwellen an.
Behandlung
Die Symptome sollen sich innerhalb von drei bis vier Tagen deutlich bessern, eine Heiserkeit
nach spätestens 14 Tagen komplett abgeklungen sein. Ansonsten sollte der Arzt aufgesucht werden.
Symptome
- mehrere Tage hohes Fieber über 38,5°C
- geschwollenen Mandeln mit eitrigen Belägen; unangenehm riechender Atem
- wenn die Halsenge zunimmt oder die Halslymphknoten deutlich geschwollen sind
- bei Erbrechen und anhaltenden, starken Kopfschmerzen
- bei anhaltender schlechter Allgemeinverfassung
- wenn die Halsschmerzen nicht nach 3-4 Tagen abklingen oder eine Heiserkeit nicht nach 14 Tagen abgeklungen ist
Alle im Handel üblicherweise erhältlichen Medikamente gegen Halsentzündungen sind
schlecht. Laut Stiftung Öko-Test [1] haben alle 14 getesteten Halslutschtabletten oder
Gurgellösungen mit „mangelhaft“ oder
„ungenügend“ abgeschnitten. Für keines der Mittel
gibt es irgendeinen wissenschaftlichen
Wirknachweis. Alle Lutschtabletten und
Gurgellösungen desinfizieren maximal nur die Oberfläche der Schleimhäute. Den
eigentlichen Entzündungsbereich in der Tiefe erreichen sie nicht. Die Liste sonstiger Zutaten
und bedenklicher Wirkstoffe hingegen ist sehr lang. Neben den „üblichen“
Konservierungsstoffen und Hilfsstoffen werden bei einigen Mitteln Antiseptika kombiniert,
welches ihre Allergiewahrscheinlichkeit steigert. Gleiches gilt für beigemischte Duftstoffe
oder zum Teil enthaltene halogenorganische Verbindungen. Auch enthaltene
Lokalanästhetika (Betäubungsmittel) lösen allergische Reaktionen aus und können bei
längerem Gebrauch sich ausbreitende Entzündungen verdecken.
Verzichtet werden soll anfangs ebenfalls auf Antibiotika. Sie helfen bei Virusentzündungen
nicht. Erst wenn sich Bakterien zusätzlich ansiedeln, kommen sie zum Einsatz. Auch scharfe
Lutschbonbons, ätherische Öle und kräftig gewürzte Speisen sollte man während der Zeit
meiden. Sie reizen die Schleimhaut nur zusätzlich.
Neben körperlicher Schonung, ggf. mit einigen Tagen Bettruhe, helfen salzhaltigen
Inhalationen und warme Halswickel. Das Trinken großer Flüssigkeitsmengen hält die
Schleimhäute feucht. Hier eignen sich besonders Salbei- und Kamilletee, sie wirken zudem
entzündungshemmend. Salzpastillen, Salbeibonbons u.ä. regen den Speichelfluss an.
Dieser hilft die Krankheitserreger zu bekämpfen. Der Verzicht auf Rauchen und Alkohol ist
oftmals selbstverständlich. Diese Stoffe reizen die entzündeten Schleimhäute zusätzlich.
Husten
Als letztes Symptom in der klassischen Erkältungsriege fehlt neben dem Schnupfen, den
Halsschmerzen und der Heiserkeit nur noch der Husten. Als anfänglicher trockener
Reizhusten tritt er ohne Schleimbildung in den ersten drei Tagen der Erkältung auf. Die Viren
wandern die Rachenwand weiter hinab und gelangen in die Bronchialschleimhaut. So
reagiert auch diese mit einer Entzündung. Hierbei sondert sie weißliches bis hellgelbes
Sekret ab. Dieses muss über das Flimmerepithel nach draußen transportiert werden. Ist die
Arbeit der Flimmerhärchen durch die Entzündung eingeschränkt, die Härchen durch
langjähriges Rauchen vorgeschädigt oder die Schleimmenge zu groß, so muss der
Hustenreflex diese Arbeit unterstützen. Nach acht bis zehn Tagen sollte das eigene
Immunsystem die Entzündung wieder in den Griff bekommen haben und die Symptome
abklingen.
Symptome
- Husten hält länger als 2 Wochen an
- Atembeschwerden beim Husten, dumpfe Brustschmerzen
- Brustschmerzen beim Atmen, hohes Fieber (über 39°C), Schüttelfrost
- Schnelles und anstrengendes Atmen, Atemnot, bläuliche Lippen oder Fingernägel
- Schleim verfärbt sich grünlich, gelblich oder rostrot
Behandlung
Der Husten ist nur ein Symptom der Schleimhautentzündung im Bronchialbereich.
Medikamente zur Behandlung gibt es für die Virusentzündung nicht. Medikamentös kann
man den Hustenreiz unterdrücken oder den Schleimabtransport erleichtern.
Kombinationspräparate verbieten sich von selber, da der dann verflüssigte Schleim nicht
mehr ausgeworfen wird.
Alle Hustenblocker (Antitussiva) wirken direkt auf das zentrale Nervensystem und
unterdrücken dort den Hustenreiz. Medikamente mit Codein oder Hydrocodein sind
rezeptpflichtig, da sie im Körper zu Morphin-ähnlichen Stoffen umgewandelt werden und bei
hohen Dosen und Dauergebrauch süchtig machen können. Grundsätzlich sollten
Hustenblocker nur in den ersten drei Tagen zur Unterdrückung des trockenen Reizhustens
eingesetzt werden. Anschließend sind schleimlösende Mittel (Expektorantien) gefragt.
Pflanzliche Präparate mit Thymian haben ebenfalls krampflösende Wirkung und lindern den
Hustenreiz. Isländisch Moos, Spitzwegerich und Eibisch beruhigen den Hustenreiz.
Einfach und sehr wichtig ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Die Trinkmenge sollte zur
Verdünnung des Schleimes auf gut 2,5 – 3 Liter Wasser oder Kräutertee gesteigert werden.
Eibisch, Spitzwegerich und Efeu bewirken durch die in ihnen enthaltenen Saponine zudem
noch eine Verdünnflüssigung des Schleims. Eine ähnliche Wirkung haben Inhalationen mit
Salzlösungen. Thymian, Myrtol und Eukalyptusöl unterstützen die Sekretion der
Drüsenzellen. Es fließt mehr und dünnflüssigeres Sekret.
Medikament Hersteller Preis der Tagesdosis
Sinuc Saft, Hustenlöser Biocur 0,30
Ambroxol 30 Heumann, Tabletten Heumann 0,45
Lindoxyl Tabletten Brahms 0,46
Ambroxol AL Saft Aliud Pharma 0,74
Isla-Moos, Pastillen Engelhard 0,91
Sinuforton Kapseln Lichtenstein 0,97
Ipalat Halspastillen Dr. Pfleger 1,16
Larylin Husten-Löser, Pastillen Merck 1,24
Tussamag Hustensaft N zuckerfrei Ct-Arzneimittel 1,55
Aspecton Hustentropfen Krewel 1,98
Bronchoforton Saft Lichtenstein 1,94
Im Test der Stiftung Öko-Test wurden 52 Hustenmittel untersucht. Die genannten
11 Medikamente erhielten ein „sehr gut“
Taucher und Husten
Nur der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle wiederholt, dass alle Taucher mit akuten
Infektionen der Atemwege grundsätzlich nicht tauchtauglich sind. Die Gefahr eines air
trapping und eines nachfolgenden Lungen-Barotraumas ist deutlich gesteigert.
Literatur
- Erkältungen – Richtig gut durch den Winter. Öko-Test Verlags GmbH, Frankfurt, Heft 2 (2003)
- IMS Heath, OTC-Report APO off-take 2003 (zitiert nach A)
- Archives of Otolaryngology, 127, 11: 1353-1356 (2001)
- Gwaltney, J. M. Journal of Infectious Diseases, 186, 2: 147-154 (2002)
- Buchbauer, G.: Aromatherapie naturwissenschaftlich betrachtet. Z. Phytother. 19, 209-212 (1998).
- Dinckler, K.: Ueber die biologische Wirkung verschiedener Reinstoffe im ätherischen Oel von Menthaarten. Pharm. Zentralhalle 77, 281 - 290 (1936).
- EuAB 1997: Monographie Pfefferminzöl, 1467 - 1469
- Göbel, H., Fresenius, J., Heinze, A., Dworschak, M., Soyka, D.: Effektivität von Oleum menthae piperitae und von Paracetamol in der Therapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp. Nervenarzt 67, 672 - 681 (1996).
- Jellinek, S.: Psychodynamische Wirkungen von Gerüchen und ihre Mechanismen. Dragoco-Report 48, 205 - 225 (1996).
- Kohlert, C., van Rensen, I., März, R., Schindler, G., Graefe, E. U., Veit, M.: Bioavailability and pharmacokinetics of natural volatile terpenes in animals and humans. Planta Med. 66, 495 - 505 (2000).
- Loew, D.: Ätherische Öle in der Behandlung der Erkältungskrankheit. In Tyrell, D. A. J. (ed.), Erkältungskrankheit, 229 - 241. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart/Jena/New York 1996.
- Pschyrembel Wörterbuch Naturheilkunde, 284. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2000.
- Teuscher, E.: Pharmazeutische Biologie. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1990.
- van Rensen, I., Kohlert, C., März, R., Veit, M.: Ätherisch-Öl-haltige Zubereitungen. Z. Phytother. 20, 72 - 74 (1999).
- Almeling, M. Barotraumen der Kompressionsphase. In: Almeling, M. Böhm, F. Welslau, W. Handbuch der Tauch- und Hyperbarmedizin. Ecomed Verlag Landsberg, Kapitel II-3.3 (1996).
- Hofman, Th. Wirkung von Corticoiden und anderen topischen Medikamenten auf die Ziliaraktivität in vitro. Vortrag 21. Grazer Workshop Nasenendoskopie, endoskop. Diagnostik u. operative Technik, 05. - 07.09.96, Graz, Österreich
Autor
Dr. med. Michael Almeling
Neuer Garten 1A
34454 Bad Arolsen
Dr.Almeling@tauchmedizin.net
www.Tauchmedizin.net
© Dr. med. Michael Almeling
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