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-Taucher unter Drogen -

Nasensprays und andere Schnupfenmittel


-Taucher unter Drogen Nasensprays und andere Schnupfenmittel
  von Dr. med. Michael Almeling (www.Tauchmedizin.net) Version 09.01.04
 

Die Erkältung

Erkältungen gehören sicherlich zu den Volkskrankheiten. So hat ein 75-jähriger Mensch durchschnittlich 200 Mal in seinem Leben an einer Erkältung gelitten. Besonders scheinen sie Menschen während der sogenannten kalten Jahreszeit zu erwischen. Jedoch lassen sich Zusammenhänge zwischen der Temperatur und der Infektion durch die Adeno- und Rhinoviren nicht belegen. Die Temperatur scheint eher eine indirekte Rolle zu spielen. Ist die Körperperipherie kühl, so kommt es dort zum Schutz vor weitere Auskühlung zu einer Vasokonstriktion. Diese bewirkt eine verringerte Blutzirkulation und somit eine verringerte Menge an Abwehrzellen.
Taucher haben bekanntermaßen häufiger mit dem Phänomen der Kälte zu tun, sei es der zugige Baggersee ohne Umkleidekabine, das in europäischen Gefilden eher kalte Wasser, oder der frische Wind an Bord eines Bootes nach einem Tauchgang. Zudem können auch in warmen Regionen die Müdigkeit durch Zeitverschiebung oder übergroße Sonnenmenge eine Reduktion der Immunabwehrkräfte verursachen.

Dass ein Taucher daher bemüht ist, sich durch einen banalen Schupfen nicht seinen Tauchurlaub verderben zu lassen ist verständlich. Viele versuchen hier vorzubeugen und kaufen entsprechende, in großer Zahl frei verkäufliche Medikamente ein. Spätestens bei der Frage der Nasensprays, vielleicht aber schon vorher, wird auch der betreuende Hausarzt oder der Tauchmediziner mit dem Thema konfrontiert. Nachfolgende Anmerkungen sollen einen gewissen Überblick über die Behandlungsvielfalt ermöglichen.

No drugs in diving!

Diese ältere Aussage der US-Navy Taucher lässt sich bei den heutigen Sporttauchern so nicht mehr aufrecht halten. Beispielhaft sei an die vielen Lockerungen in der Tauchtauglichkeit bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder beim leichtem „Asthma“ erinnert. Ganz zu schweigen von der größer werdenden Menge an frei verkäuflichen Arzneimittel und ihren (Neben-)Wirkungen.
Zur Vorsicht sei diesen Ausführungen jedoch noch einmal die klare Aussage vorangestellt: wer Hilfsmittel wie Nasensprays oder ähnliches benötigt um einen sicheren Druckausgleich herzustellen, der ist in dieser Situation eindeutig nicht tauchtauglich. Dies gilt um so mehr, je stärker allgemeine Beeinträchtigungen wie erhöhte Körpertemperatur oder Kreislaufprobleme hinzu kommen. Von beginnenden Bronchitiden und verschleimten Atemwegen und ihrer Gefahr für ein Lungen-Barotrauma soll an dieser Stelle gar nicht erst gesprochen werden.
Natürlich kann man es dabei belassen und sich fragen, warum man dann überhaupt darüber redet. Der Vergleich mit dem Drogenkonsum und der Empfehlung „wenn schon, dann mit sauberen Spritzen und Nadeln“ ist sicherlich sehr weit hergeholt. Allerdings kann man auch bei so banalen Dingen wie frei verkäuflichen Erkältungsmedikamenten allerhand falsch machen

Erkältung oder Grippe?
Ob man „die Grippe hat“ oder ob es sich bei den Symptomen um eine Erkältung handelt, das wird in der Bevölkerung nicht weiter unterschieden. Die Influenza wird zwar genau wie die Erkältung über eine Tröpfcheninfektion übertragen, Erreger sind jedoch die weitaus aggressiveren Influenzaviren. Dauert eine Erkältung wie es im Volksmund heißt „unbehandelt 7 Tage, mit Behandlung eine Woche“ und betrifft sie insbesondere die oberen Atemwege, so kann die oft mit hohem Fieber und Schüttelfrost einhergehende Grippe durch häufigen bakterielle Superinfektionen gefährlich werden. Letztere können, meist durch Staphylokokken und Streptokokken ausgelöste, Nasennebenhöhlen- und das Mittelohrentzündungen hervorrufen. Aber auch Lungenentzündungen, Hirnhaut- und Herzmuskelentzündungen können die Folge sein.

Symptome
  • der Schnupfen hält länger als 10 Tage an
  • anhaltendes Fieber auch über 39°C
  • stechender oder klopfender Schmerz über Wangenknochen, Stirn oder Zähnen
  • Ohrenschmerzen, Ohrausfluss
  • anhaltendem, schmerzhaften Husten; gelblicher oder grünlicher Auswurf
  • Schluckbeschwerden und eitrigen Mandeln
  • geschwollenen Halslymphknoten
  • plötzlich einsetzende Beschwerden, elendes, schlappes Gefühl
  • Risikopatienten: Schwangere, Asthmatiker, Diabetiker, Menschen mit Herz-Kreislauf Beschwerden


Die erste Abwehrreihe
Die Schleimhäute der Nase sind mit einem Flimmerepithel bedeckt. Diese Flimmerhärchen schlagen bis zu 900 mal pro Minute und bewegen dabei nicht zur Staub sondern auch Viren und Bakterien in Richtung Nasenausgang. Hierzu muss die Schleimhaut jedoch möglichst feucht sein und darf z.B. nicht zu sehr durch Heizungsluft ausgetrocknet worden sein. Dringen nun sehr viele Viren in die Schleimhautzellen ein und sind die Flimmerhärchen gleichzeitig in ihrer Funktion beeinträchtigt, so kommt es zur Entzündung der Schleimhaut.
Um diese abzuwehren wird die Schleimhaut mit mehr Antikörpern und Abwehrzellen versorgt. Hierzu wird sie besser durchblutet. Die Blutgefäße weiten sich und die Schleimhaut schwillt an. Zudem bilden die schleimproduzierenden Zellen vermehrt Sekret um die Schleimhäute zu befeuchten und die Viren herauszuspülen. Hierdurch schwillt jedoch die Schleimhaut weiter an. Die zunächst wässrig-klare Flüssigkeit verwandelt sich nach 2-3 Tagen durch die Keime in einen gelblich-grünen und zähen Schleim.

Sekretionsfördernde Maßnahmen
Um die Eigenheilung zu unterstützen und die Einnistung von Bakterien zu verhindern, muss der zähe Schleim auf den Schleimhäuten durch das Flimmerepithel möglichst zügig abtransportiert werden.
Wesentliches Moment der Schleimlösung (Sekretolyse) ist die Schleimhautbefeuchtung, um die Funktion der Flimmerhärchen und damit des Schleimhautepithles optimal zu gewährleisten. Neben einer guten Raumluftbefeuchtung gehören intensive Inhalationen sowie der eventuelle Einsatz von befeuchtenden Kochsalzlösungen in Form von Nasensprays zu den üblichen Maßnahmen.

Schleimlösende Medikamente (Sekretolytika)

Kochsalz-Nasensprays
Nahezu alle auf dem Markt erhältlichen Kochsalzsprays sind laut Stiftung Öko-Test (November 2003) „sehr gut“. Diese Sprays kann man nicht nur in der Apotheke sondern auch in Drogerie- und Supermärkten einkaufen. Achten sollte man unbedingt auf eventuell enthaltene Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe, ätherische Öle usw. (siehe auch entsprechende Ausführungen bei Medikamenten-haltigen Nasensprays).

Alternativ gibt es seit kurzem Nasensalben mit Sesamöl (Nasensalbe nach Dr. Bader). Diese, wie auch in Deutschland nicht erhältliche Sprays (Handelsname Nozoil), sollen laut wissenschaftlichen Studien wirksamer zur Befeuchtung trockener Schleimhäute sein als die Anwendung von Kochsalzsprays [3].

Wasserdampfinhalationen
Durchgeführt mit einer Temperatur von ca. 50°C, schaffen Wasserdampfinhalationen ein ungünstiges Replikationsmillieu für die üblichen Rhinoviren, fördern durch gezielte Durchblutungssteigerung (Hyperämisierung) die natürliche Infektabwehr, steigern die Schleimhautsekretion und öffnen die Atemwege.

Man benötigt für die „Kochtopf-Handtuch-Methode“ ca. zwei Liter kochendes Wasser. Diesem kann man 2-3 Tropfen ätherisches Öl zusetzen (nicht für Kinder!), oder 2 Esslöffel Kochsalz, Kamille, Thymian oder Salbei. Salz und Pfefferminze wirken schleimlösend, Kamille und Salbei entzündungshemmend.
Der Kopf wird mit einem Handtuch überdeckt, so dass man die ca. 10 Minuten den gesamten Wasserdampf gleichmäßig über Mund und Nase einatmen kann. Die Augen sollte man wegen eventueller Reizungen besser geschlossen halten. Anschließend sollte man für ca. eine Stunde ruhen.
Benutzt man für diese Prozedur ein Inhalationsgerät, so wird der Dampf nur über die Nase eingeatmet.

Die oben genannten Maßnahmen können so zwar die Verflüssigung des Schleims fördern und damit die Aktivität des Flimmerepithels erheblich unterstützen, eine Abschwellung der Schleimhäute bewirken sie jedoch kaum. Die Nasenatmung oder auch die Belüftung der Tuben und Nasennebenhöhlen bleibt daher meistens behindert. Bei stärkerer Beeinträchtigung helfen hier nur Schleimhaut-abschwellende Medikamente.

Medikamenten-haltige Nasensprays & -tropfen

(Dekongestiva)

Wirkstoffe und Wirkmechanismen
Die Nasenschleimhäute werden im wesentlichen durch den Nerven des Sympathikus innerviert. Uber die Erregung der ƒ¿-Rezeptoren kommt es zur Vasokonstriktion und über die Abnahme der Blutfüllung zur Rückbildung des Schleimhautodems und zur Schleimhautabschwellung. Somit kommen in den Dekongestiva überwiegend α -Sympathomimetika als lokal zu applizierende Substanzen zum Einsatz.

Da jedoch die nasopharyngealen Drüsen überwiegend cholinerg gesteuert sind, kann für diese Medikamente die Hypersekretion nur sehr wenig beeinflusst werden.
Bekannt sind folgende Wirkstoffe und Generika:
Wirkstoff            Präparate (Beispiele)             Wirkdauer

Ephedrin             Endrine®, Piniol®                  ca. 2 h
Phenylephrin         Vibrocil®                          ca. 4 h

Imidazolinderivate:
Tetryzolin           Nasan®,   Rhinopront®, Tyzine®     ca. 3 h
Fenoxazolin          Snup®                              ca. 6 h
Indanazolin          Farial®                            ca. 6 h
Naphazolin           Privin®, Rhino-Stas®               ca. 6 h
Tramazolin           Ellatun®, Rhinospray®              ca. 6 h
Oxymetazolin         Nasivin®, Rhinolitan®Ê             ca. 8 h
Xylometazolin        Balkis®, Olynth®, Otriven®         ca. 8 h


Wirkdauer
Wesentlich sind Kenntnisse über die Wirkdauer und Wirkstärke, aber auch für die zu erwartenden Nebenwirkungen der einzelnen Wirkstoffe. So gelten die Imidazolderivate wegen ihrer weitgehend selektiven ƒ¿-Rezeptorenwirkung, ihrer langen Wirkdauer und ihrer Wirkstärke heute als die geeignete Wirkstoffgruppe, insbesondere auch fur Taucher.

Aber auch in dieser Substanzgruppe gibt es wichtige Unterschiede. So bewirkt eine starke Vasokonstriktion bei Abklingen der Wirksamkeit einen ebenso starken Reboundeffekt mit relativer Mehrdurchblutung und erneuter Schleimhautschwellung. Hier gibt es einen eindeutigen Zusammenhang mit der Abklinggeschwindigkeit des Wirkstoffes. Substanzen mit sehr langer Wirkdauer klingen langsamer ab und führen zu sehr geringen bis gar nicht spürbaren Rebounderscheinungen. Hier sind insbesondere die Wirkstoffe Xylometazolin und Oxymetazolin zu nennen.

Die Verwendung solcher Substanzen beugt weiterhin bei kurzer Einsatzdauer einer Nasenspray-Abhängigkeit (Privinismus) vor, da sonst überschiesende Schleimhautschwellung reaktiv mit einer überhohten Daueranwendung verbunden ist.

Priviniusmus / Nasensprayabhängigkeit
Nach Schatzungen von Pharmakologen leiden etwa 100.000 Deutsche an dem sogenannten Medikamentenschnupfen. Der nach dem erstem im Handel erhältlichen Sympathomimetikum Privin benannte Priviniusmus entsteht durch die nachlassende Rezeptorenwirkung des Wirkstoffes an der Gefäsmuskulatur. Die Vasokonstriktion hält zunehmend kurzer an, die Schleimhaut schwillt zum Teil uberschiesend schnell wieder an. Die Schleimhautschwellung chronifiziert sich und der Betroffene muss das Spray in immer kurzeren Abständen benutzen um eine einigermasen frei Nasenatmung zu erhalten.

Warnhinweise auf den Nasenspraypackungen fehlen bisher. Im Beipackzettel findet man entsprechende Begrenzungen der Anwendungsdauer auf fünf bis sieben Tage. Diese werden häufig jedoch nicht ernst genommen.

Nach längerer Anwendung kommt es weiterhin zur Reduktion der Drüsenzellenaktivitat, die Sekretproduktion zur Anfeuchtung der Schleimhäute wird reduziert. Patienten klagen uber eine ständig trockene Nase. Hierdurch wird zudem die Aktivität des Flimmerepithels beeinträchtigt und Fremdkörper, Bakterien und Pollen können nicht mehr so gut abtransportiert werden.

Symptome
  • Der Gebrauch des Sprays geht seit Monaten oder gar Jahren.
  • Die Nasenschleimhaut ist ständig trocken und gereizt.
  • Man geht nicht mehr ohne Vorräte aus dem Haus und man legt sich Vorräte an.
  • Tagsüber und auch nachts sind mehrere Anwendungen nötig um eine freie Nasenatmung zu haben.
  • Man wacht nachts nervös oder gar panisch auf, weil man bei verstopfter Nase denkt nicht mehr durchatmen zu können.

Die Behandlung der Patienten die dann häufig seit Jahren Nasensprays nutzen ist langwierig und aufwendig. Hat der HNO-Arzt alternative Gründe für eine Nasenschleimhautveränderung ausgeschlossen, wird der Entzug trainiert. Zusätzlich werden begleitende Gesprächsrunden in einer Selbsthilfegruppe empfohlen.

Diagnosen
  • Allergien
  • Chronische Nasennebenhöhlenentzündungen
  • Arzneimittelnebenwirkungen (Acetylsalicylsäure, Bluthochdruck- und Hormonpräparate)
  • Hormonelle Veränderungen (Schilddrüse, Schwangerschaft)
  • Verkrümmte Nasenscheidewand, zu große Nasenmuscheln


Kombinationswirkstoffe
Wie der allgemeine Rückgang von Kombinationspräparaten ausdrückt, sind diese oftmals wenig nützlich und nicht immer unproblematisch.

Ätherische Öle vermitteln eine kurzzeitige, oft nur subjektiv empfundene Atemerleichterung. Die meist nur zur Geruchskorrektur beigemischten Stoffe sind jedoch in höheren Dosierungen schleimhautirritierend und aufgrund ihres meist öligen Trägermediums wenig wirksam.

Antihistaminika haben selber keine abschwellende Wirkung und sollten wegen der Sensibilisierungsgefahr zumindest Nasensprays für akute Rhinitiden nicht beigemischt werden.

Glucokorticoide haben eine bekannte antiödematöse und antiphlogistische Wirkung und werden, nicht nur bei allergischer Genese, von einigen Kollegen gerne eingesetzt. Neben den bekannten Nebenwirkungen der Korticoide ist bei höherdosierter Therapie auch eine Reduktion des nasalen Flimmerschlages für einen begrenzten Zeitraum nachgewiesen [16].

Trägermedien
Wässrige Lösungen beeinträchtigen die Funktion des Flimmerepithels am wenigsten. Die meisten phenylephrin- und imidazolinhaltigen Präparate erfüllen diese Forderung. Hydrogele (z.B. Nasivin® Gel, Otriven® Gel) ermöglichen zwar eine längere Verweildauer, sind jedoch schwer zu dosieren.

Flüssiges Paraffin und andere Öle sollten wegen ihrer zilliarschadigenden Wirkung keine Verwendung mehr finden (z.B. Endrine® Nasentropfen). Weiterhin besteht die Gefahr irreversibler intrapulmonaler Ablagerungen, sollten die Tropfen in den Bronchialtrakt gelangen. Der häufig geäuserte Taucherwunsch nach öligen Tropfen um dem Trockenheitsgefühl in der Nase entgegen zu wirken, sollte einen sehr nachdenklich stimmen (Privinismus?), auf einen sparsamen Gebrauch der Medikamente hinweisen lassen und nur mit der Verordnung leicht hypertoner, kochsalzhaltiger Nasentropfen begegnet werden. Eine bewährte Rezeptur lautet z.B. (Methylhydroxypropylcellulose / Methocel steigert die Viskosität, erhöht die Verweildauer und den befeuchtenden Effekt):

Rp.  Natr. chlorat.                 0,15
     Methylhydroxypropylcellulos.   0,07
     Aq.ad inject.                  ad 10,00


Konservierungsstoffe
Neben bekannten Allergien auf Konservierungsmittel sind irreversible Schädigungen des Flimmerepithels durch Benzalkoniumchlorid beschrieben [16]. PEG (Polyethylenglykole) und PEG-Derviate als Emulgatoren können die Schleimhaut durchlässiger für Schadstoffe machen. Laut Packungsbeilage dürfen geöffnete Nasensprays nur 5-7 Tage verwendet werden. Da die Sprays ohne Konservierungsstoffe zudem nicht teurer sind, sollte auf diese zurückgegriffen werden.

In einigen Sprays sind zusätzlich Hilfsstoffe wie halogenorganische Verbindungen (Stoffe die meist Chlor, Brom oder Jod enthalten) beinhaltet. Viele dieser Verbindungen gelten als allergie-, manche sogar als krebsauslösend.

Applikationsformen
Verbreitet sind nach wie vor Tropf-Pipettenflaschen. Hier ist eine relativ exakte Dosierung zwar möglich, erfordert aber eine gute „Technik“. Nach Applikation bei zurückgelegtem Kopf muss dieser sofort weit nach vorne gebeugt werden, um ein Ablaufen in den Rachen zu verhindern. Hierbei sollte leicht „geschnüffelt“ werden, um eine gleichmäßige Verteilung zu erreichen. Nach drei bis fünf Minuten sollte geschneuzt werden um dann erneut zu applizieren, da hierdurch nach Abschwellen des vorderen Bereiches auch die hinteren Schleimhautbereiche erreicht werden.

Bei einer weiteren Methode zur Optimierung der „richtigen“ Einnahme von Nasensprays muss das Nasenspray in Rückenposition bei überstrecktem Kopf in die Nase eingebracht werden. Ist die Substanz richtig appliziert und verteilt sie sich wie erwartet, so muss man sie im Rachen bitter schmecken können. In dieser Position soll sie drei Minuten einwirken.


Beispiel einer optimalen Technik zur Nasentropfen-Applikation [16]


Diese Prozeduren sollen in den ersten drei Stunden alle 30 Minuten (also 6x) wiederholt werden. Die Wirkdauer der Stoffe ist zwar länger, der Auswascheffekt durch die Sekretproduktion jedoch sehr hoch. Danach sollen die Nasensprays vier Mal täglich und hierbei einmal unmittelbar vor dem Schlafen appliziert werden. Auf das Ausschneuzen soll möglichst ganz verzichtet werden, da sonst Sekret / Eiter in die Tube gedrückt werden könnte. „Hochziehen“ ist hierbei jedoch erwünscht. Bei eintretender Beschwerdefreiheit spätestens nach zwei Tagen soll das Medikament für weitere drei Tage noch zwei Mal täglich angewendet werden.

Eine deutliche Verbesserung stellen Dosieraerosole und Pumpsprays dar. Hier ist eine exaktere Dosierung und eine bessere Verteilung durch die Vernebelung zu erreichen. Sie sollten heute die bevorzugte Applikationsform darstellen. Plastikknautschflaschen eignen sich wenig für diese Verwendung, da die Düsen ungenau gestanzt sind und die Freisetzungsmenge sehr stark vom Druck auf die Flasche abhängt.

Medikament                            Hersteller           Preis pro ml
Nasenspray E ratiopharm                Ratiopharm           0,28
Nasenspray K ratiopharm                Ratiopharm           0,19
Nasivin sanft, Dosierspray             Merck                0,54
Olynth 0,1% Schnupfen Dosierspray,     Pfizer               0,39
ohne Konservierungsstoffe
Otriven gg. Schnupfen 0,1%,            Novartis             0,38
ohne Konservierungsstoffe
Snup akut 0,1%                         Stada                0,30
Tetrilin E                             Chephasaar           0,47
Tetrilin K                             Chephasaar           0,43
Xylo-Comod                             Ursapharm            0,27

Die neun besten medikamentenhaltigen Nasensprays laut Stiftung Ökotest [1]. Die angegebenen Arzneimittel wurden alle nur mit "befriedigend" getestet, da die Juroren alle Medikamente mit α Sympathikomimetika als bedenklich eingestuft hatten. Ein "sehr gut" erhielten nur einige Salzlösungen. Getestet wurden 52 Präparate.

Oral applizierbare Schnupfenmittel (Grippemittel)
„Eine Pille gegen alles“ ist der verständliche Wunsch vieler von einer Erkältung geplagten Taucher. „Lindert die schlimmsten Erkältungsbeschwerden auf einmal“ ist daher auch der verständliche Werbeslogan eines der Marktführer in diesem Bereich. Pharmakologisch betrachtet sind jedoch nahezu alle Wirkstoffkombinationen in diesem Gebiet bedenklich. Sie werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Kürze auf Grund der auslaufenden Fristen für die Neuzulassung von Arzneimitteln vom Markt verschwinden.

Das Problem besteht in den Kombinationsstoffen selber. Wollte man die einzelnen Wirkstoffe in der für die Symptomatik ausreichenden Dosierung beifügen, wäre die Mischung insgesamt viel zu hoch. Je mehr Substanzen und je höhere Konzentrationen eine Mischung enthält, desto schwerer wird es Wechselwirkungen abzuschätzen.

Dies gilt insbesondere für den Wirkstoff Ephedrin und Phenylephedrin. Diese sollen wie schon im Nasenspray eine Vasokonstriktion hervorrufen. Werden sie systemisch appliziert, müssten sie wesentlich höher dosiert werden. Dabei würden sie aber auch auf alle andere Gefäßsysteme wirken und unter anderem Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck auslösen. Also werden sie zwar zugesetzt, aber in der Regel deutlich zu niedrig dosiert.

Weiterhin enthalten einige Kombinationen völlig unsinnige Bestandteile. In ein Schnupfenmittel ein Antihistaminikum einzufügen macht nicht viel Sinn (Grippostad C Kapseln, Perdiphen Dragees, Wick MediNait Erkältungssaft). Verwendet werden zudem häufig Antihistaminika der ersten Generation und diese machen müde. Beigefügtes Koffein soll dies dann in einigen Fällen überspielen.

Insgesamt könnte man den Eindruck gewinnen, dass hier und da ältere, sonst nicht mehr veräußerbare Wirkstoffe in Kombinationspräparaten an den Kunden gebracht werden sollen. So enthält ein Medikament den veralteten Schleimlöser Guaifenisin (Wick Day Med Erkältungsgetränk). Diesem werden eine Reihe von Unverträglichkeitsreaktionen angelastet.

„Spannend“ sind auch alkoholische Zusätze in Erkältungssäften. So enthalten zwei sehr populäre Medikamente 18 Volumenprozent Alkohol (Grippostad Gute Nacht-Saft, Wick MediNait Erkältungssaft).

Last not least enthalten einige Erkältungsgetränke und Granulate künstliche und gentechnisch veränderte Süßstoffe (Contac Erkältungstrunk, Grippostad Heissgetränk, Aspirin Complex Granulat, Wick Day Med Erkältungs-Getränk).

Die Empfehlung lautet daher, Einzelpräparate in der für die Symptomatik angemessenen Dosierung zu verwenden. Zur Senkung eines möglicherweise begleitenden Fiebers soll hierbei auf Paracteamol zurückgegriffen werden, da Acetylsalicylsäure bei einer Zahl von Sinusitis-Patienten Allergien auslösen kann. Zudem sollte man zur Linderung der allgemeinen Symptomatik auch auf die alten Hausrezepte zurückgreifen.

Alternativen

Nachfolgende Darstellungen sollen nur einen Teil der Möglichkeiten sogenannter „alternativer“ Heilmethoden aufzeigen. Weitere Anregungen findet man in den zahlreichen, im Handel erhältlichen Bücher.

Wickel
Hierzu zählen die Wadenwickel bei Fieber oder erhöhter Temperatur genauso wie oben schon beschriebene Wirkungen von ätherischen Ölen. Darüber hinaus werden Quarkwickel (zur Fiebersenkung), Zwiebelwickel (bei Ohrenschmerzen) usw. empfohlen.

Tee
Weiterhin können verschiedene Tees die Beschwerden lindern. Salbei hilft bei Entzündungen in Mund und Rachen, Kamille wirkt entzündungshemmend, Ingwer kurbelt den Kreislauf an und Thymian löst Husten und Schleim. Holunderblütentee führt zu starkem Schwitzen und dient der Erkältungsvorbeugung. Nicht zuletzt löst heiße Milch mit Honig Schleim und wirkt entzündungshemmend durch die im Honig enthaltenen, antibiotisch wirksamen Enzyme.

Pflanzliche Medikamente
Efeuextrakte finden sich in vielen Hustensäften als Schleimlöser. Huflattich wirkt beruhigend auf entzündete Schleimhäute. Lindenblüten enthalten Flavonoide die schweißtreibend und Hustenreiz lindernd sind. Malve wirkt bei entzündeten Schleimhäuten und hilft bei trockenem Reizhusten. Schlüsselblumen enthalten Saponine und sind schleimlösend und Auswurf fördernd. Gleiches gilt für die Wollblume. Spitzwegerich wird bei Reizhusten eingesetzt. Das in ihm enthaltene Acubin wirkt zudem entzündungshemmend und antibakteriell.

Pfefferminzöl
Medizinisch werden ätherische Öle u. a. zur Behandlung von Erkältungskrankheiten, gastrointestinalen Beschwerden, Schmerzen und Bronchitiden verwendet. Es gibt zahlreiche Studien zur In-vitro-Wirkung ätherischer Öle; die klinische Relevanz dieser Aktivitäten hängt jedoch von der systemischen Verfügbarkeit der Komponenten in den Zielorganen ab [10, 14]. Eine Voraussetzung für die medizinische Wirkung ist, dass die Wirksubstanzen auch tatsächlich in den zu erwartenden Anteilen im ätherischen Öl vorliegen.

In der Aromatherapie spielen neben dem pharmakologischen Wirkungsmechanismus auch semantische, Lust- und psychosomatische Mechanismen eine Rolle [9]. Zum Duft eines authentischen ätherischen Öles tragen oft Neben- und Spurenkomponenten entscheidend bei. Daher können ätherische Öle, die in den Anteilen der Hauptkomponenten weitgehend übereinstimmen, dennoch sehr unterschiedliche Aromen aufweisen.

Häufig und gerne verwendet wird Japanisches Heilpflanzenöl, Minzöl oder Pfefferminzöl. Die allermeisten Käufer wissen jedoch nicht ob es sich bei diesen drei Produkten um gleiche oder unterschiedliche Präparate handelt und ob es hier Wirkunterschiede gibt. Pfefferminzöl stammt von Mentha u piperita Lamiaceae und wird durch Wasserdampfdestillation aus den oberirdischen blühenden Teilen gewonnen [7]. Hauptbestandteile sind Menthol, Menthon, Menthylacetat und 1,8-Cineol. Ein hoher Esteranteil und ein geringer Gehalt an Menthofuran sind für eine gute Geruchsqualität entscheidend, auch tragen einige Spurenkomponenten (z. B. Jasmon) wesentlich zur Geruchsverbesserung bei [13]. Pharmakologisch wirkt Pfefferminzöl u. a.
  • spasmolytisch [6, 11],
  • sekretolytisch [11]
  • motilitätssteigernd [5]
  • analgetisch [8].
Neben dem ätherischen Öl von Mentha u piperita wird im Handel gelegentlich auch das ätherische Öl der Ackerminze unter der Bezeichnung Pfefferminzöl gehandelt. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um das teilweise dementholisierte ätherische Öl von Mentha arvensis L. var. piperascens, das hauptsächlich in Brasilien und China erzeugt wird und korrekt als Minzöl deklariert werden muss. Gelegentlich wird es auch als Japanisches Pfefferminzöl bezeichnet [12].

Die Geruchs- und Geschmacksqualität von Minzöl ist geringer als die von Pfefferminzöl [13]. Minzöl ist gaschromatographisch eindeutig von Pfefferminzöl zu unterscheiden. Der Großhandelspreis von Minzöl liegt zur Zeit bei etwa 20 DM/kg, während Pfefferminzöl etwa 80 DM/kg kostet. Testergebnisse einzelner Präparate konnten in der Literatur leider nicht gefunden werden.

Erkältungsbäder
Warme Bäder entspannen und tun bei Erkältung gut. 10 bis 20 Minuten bei 35 bis 38 Grad Celsius sind hier ideal. Der Körperkern wird leicht erwärmt, dies hilft Krankheitserreger zu bekämpfen. Gleichzeitig werden die Lunge und die Schleimhäute besser befeuchtet und durchblutet. Setzt man auch noch einen Badezusatz zu, kann man gleichzeitig inhalieren.

Bei letzterem kann man auf Eukalyptus, Kampfer und Menthol zurückgreifen. Diese befreien die oberen Nasenwege, in dem sie die Kälterezeptoren der Nase stimulieren. Hingegen wirken Menthol, Pfefferminz- und Eukalyptusöle schleimlösend. Nadelholzöle regen dagegen die periphere Durchblutung an.

Bei Fieber sollen derartige Bäder unbedingt unterbleiben. Gleiches gilt für Asthmatiker und Keuchhusten-Patienten. Patienten mit Bluthochdruck und Herzinsuffizienz wird die Rücksprache mit ihrem Arzt empfohlen

Wichtig ist auch hier möglichst auf den Zusatz von Konservierungsstoffen und Hilfsstoffen zu verzichten. Der Hilfsstoff Diethylphthalat (benutzt zur Vergällung von Alkohol) steht in Verdacht Leber, Niere und Fortpflanzungsorgane zu schädigen (enthalten z.B. in Arya Laya Heil-Kräuter Ölbad Thymian, Frühmesner Gesundheitsbad). Nadelholzöle enthalten häufige Terpene. Diese können Augen, Haut und Schleimhaut reizen. Hierbei gilt das Terpen Delta- 3-Caren als besonders starkes Allergen (enthalten z.B. in Abtei Erkältungsbad N, Frühmesner Gesundheitsbad, Salus Alpenkraft Erkältungs-Kräuterbad N, Styx Erkältungs- Schaumbad, Tannenblut Bad, tetesept Erkältungsbad).
Erkältungsbäder                              Anbieter              Preis pro 100ml
Farmer´s Best Kräuter Bad Eukalyptus         Bellmira Cosmetic / Schlecker  0,20
Herbaflor Kräuter Kurbad Eukalyptus          Straub                         0,36
Das Gesunde Plus Erkältungsbad               Dm-Drogerie Markt              0,78
Altapharma Erkältungs-Linderungs-Bad         Rossmann                       0,80
Gesund Leben Erkältungslinderungsbad         Bio-Garten                     0,80
Franziskus Erkältungs-Linderungs-Bad         Bio-Garten / Schlecker         0,92
die günstigsten Erkältungsbäder nach dem Test der Stiftung Ökotest [1]; alle Produkte schnitten mit „gut“ ab. Alle o.g. Produkte enthalten jedoch PEG bzw. PEG-Derivate.

Immunstimulantien / Echinacea-Präparate
Zubereitungen aus der weiß, purpur oder rosa blühenden Sonnenhutstaude werden schon seit Jahrhunderten zur Behandlung von schlecht heilenden Wunden eingesetzt. Heutzutage werden hauptsächlich Presssäfte aus dem Kraut des Purpursonnenhutes (Echinacea purpurea) oder alkoholische Extrakte aus der Wurzel des blassblättrigen Sonnenhutes (Echniacea pallida) genutzt. Diese sollen vor Grippe, Erkältungskrankheiten und anderen Infektionen vorbeugen.

Der wissenschaftliche Nachweis einer Immunstimulation steht bis heute aus. Möchte man eine Erleichterung der Symptome erreichen, so nutzen diese Medikamente nur etwas bei Einnahme am Anfang einer Erkrankung. Im Verlauf der Infektion ist der Einsatz nutzlos.

Bekannt sind starke allergische Reaktionen nach Einnahme derartiger Präparate. Insbesondere Allergikern mit Korbblütler-Allergie muss von der Einnahme abgeraten werden.

Die Stiftung Öko-Test hat 38 Echinacea-Präparate getestet. Dabei gab es nur bei sechs Präparaten ein „sehr gut“. Häufig mussten unzureichende Beipackzettel, Alkoholzusätze und sonstige Zusatzstoffe kritisiert werden.

Echinacea-Präparate                                Produzent    Preis pro Tagesdosis
Herbaria naturreiner Heilpflanzensaft Sonnenhut    Herbaria           0,38
Florabio naturreiner Heilpflanzensaft Sonnenhut    Florabio           0,40
Echinacea-ratiopharm, Liquid alkoholfrei           Ratiopharm         1,31
Echiherb Tabletten                                 Duopharm           1,38
Madaus Echinacin Saft alkoholfrei                  Madaus             1,52
aar vir 100mg Dragees Aar                          pharma             3,44
Auszug aus dem Echinacea-Präparatetest der Stiftung Öko-Test [1]

Halsschmerzen und Schluckbeschwerden

Hat sich die Virusattacke auf die Schleimhäute im Hals oder Rachen konzentriert oder verlagert, merkt man dies recht eindeutig mit anfänglichem Kratzen, brennendem Schmerzen bei Schlucken und einem wunden Gefühl im Hals. Lymphknotenschwellungen im Halsbereich können ein zusätzliches Zeichen sein. Hierbei unterscheidet man drei verschiedene Krankheitsbilder. Die Pharyngitis als Entzündung der Rachenschleimhaut im hinteren Mundbereich. Hier ist die Seitenstrangangina, meist bei Patienten nach Mandelentfernung, eine Sonderform. Sie beginnt weit hinten an der oberen Rachenwand, direkt neben dem unteren Eingang zur eustachischen Röhre. Daher kommt es hierbei häufig zu zusätzlichen Ohrenschmerzen. Als zweites können Entzündungen des Kehlkopfes (Laryngitis) auftreten. Hier können Stimmlippe, Kehldeckel oder Kehlkopfschleimhaut geschwollen sein. Zu oben beschriebenen Symptomen kommt dann eine raue Stimme die teilweise versagt, Hustenreiz und Räusperzwang hinzukommen. Last not least können sie die Mandeln entzünden (Angina tonsillaris). Die Mandeln sind Teil des Lymphsystems und im Halsbereich sozusagen der Vorposten. Sie schlagen Alarm, wenn sie mit fremden Keimen in Kontakt kommen, entzünden sich und schwellen an.

Behandlung
Die Symptome sollen sich innerhalb von drei bis vier Tagen deutlich bessern, eine Heiserkeit nach spätestens 14 Tagen komplett abgeklungen sein. Ansonsten sollte der Arzt aufgesucht werden.

Symptome
  • mehrere Tage hohes Fieber über 38,5°C
  • geschwollenen Mandeln mit eitrigen Belägen; unangenehm riechender Atem
  • wenn die Halsenge zunimmt oder die Halslymphknoten deutlich geschwollen sind
  • bei Erbrechen und anhaltenden, starken Kopfschmerzen
  • bei anhaltender schlechter Allgemeinverfassung
  • wenn die Halsschmerzen nicht nach 3-4 Tagen abklingen oder eine Heiserkeit nicht nach 14 Tagen abgeklungen ist
Alle im Handel üblicherweise erhältlichen Medikamente gegen Halsentzündungen sind schlecht. Laut Stiftung Öko-Test [1] haben alle 14 getesteten Halslutschtabletten oder Gurgellösungen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ abgeschnitten. Für keines der Mittel gibt es irgendeinen wissenschaftlichen Wirknachweis. Alle Lutschtabletten und Gurgellösungen desinfizieren maximal nur die Oberfläche der Schleimhäute. Den eigentlichen Entzündungsbereich in der Tiefe erreichen sie nicht. Die Liste sonstiger Zutaten und bedenklicher Wirkstoffe hingegen ist sehr lang. Neben den „üblichen“ Konservierungsstoffen und Hilfsstoffen werden bei einigen Mitteln Antiseptika kombiniert, welches ihre Allergiewahrscheinlichkeit steigert. Gleiches gilt für beigemischte Duftstoffe oder zum Teil enthaltene halogenorganische Verbindungen. Auch enthaltene Lokalanästhetika (Betäubungsmittel) lösen allergische Reaktionen aus und können bei längerem Gebrauch sich ausbreitende Entzündungen verdecken.

Verzichtet werden soll anfangs ebenfalls auf Antibiotika. Sie helfen bei Virusentzündungen nicht. Erst wenn sich Bakterien zusätzlich ansiedeln, kommen sie zum Einsatz. Auch scharfe Lutschbonbons, ätherische Öle und kräftig gewürzte Speisen sollte man während der Zeit meiden. Sie reizen die Schleimhaut nur zusätzlich.

Neben körperlicher Schonung, ggf. mit einigen Tagen Bettruhe, helfen salzhaltigen Inhalationen und warme Halswickel. Das Trinken großer Flüssigkeitsmengen hält die Schleimhäute feucht. Hier eignen sich besonders Salbei- und Kamilletee, sie wirken zudem entzündungshemmend. Salzpastillen, Salbeibonbons u.ä. regen den Speichelfluss an. Dieser hilft die Krankheitserreger zu bekämpfen. Der Verzicht auf Rauchen und Alkohol ist oftmals selbstverständlich. Diese Stoffe reizen die entzündeten Schleimhäute zusätzlich.

Husten

Als letztes Symptom in der klassischen Erkältungsriege fehlt neben dem Schnupfen, den Halsschmerzen und der Heiserkeit nur noch der Husten. Als anfänglicher trockener Reizhusten tritt er ohne Schleimbildung in den ersten drei Tagen der Erkältung auf. Die Viren wandern die Rachenwand weiter hinab und gelangen in die Bronchialschleimhaut. So reagiert auch diese mit einer Entzündung. Hierbei sondert sie weißliches bis hellgelbes Sekret ab. Dieses muss über das Flimmerepithel nach draußen transportiert werden. Ist die Arbeit der Flimmerhärchen durch die Entzündung eingeschränkt, die Härchen durch langjähriges Rauchen vorgeschädigt oder die Schleimmenge zu groß, so muss der Hustenreflex diese Arbeit unterstützen. Nach acht bis zehn Tagen sollte das eigene Immunsystem die Entzündung wieder in den Griff bekommen haben und die Symptome abklingen.

Symptome
  • Husten hält länger als 2 Wochen an
  • Atembeschwerden beim Husten, dumpfe Brustschmerzen
  • Brustschmerzen beim Atmen, hohes Fieber (über 39°C), Schüttelfrost
  • Schnelles und anstrengendes Atmen, Atemnot, bläuliche Lippen oder Fingernägel
  • Schleim verfärbt sich grünlich, gelblich oder rostrot
Behandlung
Der Husten ist nur ein Symptom der Schleimhautentzündung im Bronchialbereich. Medikamente zur Behandlung gibt es für die Virusentzündung nicht. Medikamentös kann man den Hustenreiz unterdrücken oder den Schleimabtransport erleichtern. Kombinationspräparate verbieten sich von selber, da der dann verflüssigte Schleim nicht mehr ausgeworfen wird.

Alle Hustenblocker (Antitussiva) wirken direkt auf das zentrale Nervensystem und unterdrücken dort den Hustenreiz. Medikamente mit Codein oder Hydrocodein sind rezeptpflichtig, da sie im Körper zu Morphin-ähnlichen Stoffen umgewandelt werden und bei hohen Dosen und Dauergebrauch süchtig machen können. Grundsätzlich sollten Hustenblocker nur in den ersten drei Tagen zur Unterdrückung des trockenen Reizhustens eingesetzt werden. Anschließend sind schleimlösende Mittel (Expektorantien) gefragt.

Pflanzliche Präparate mit Thymian haben ebenfalls krampflösende Wirkung und lindern den Hustenreiz. Isländisch Moos, Spitzwegerich und Eibisch beruhigen den Hustenreiz.

Einfach und sehr wichtig ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Die Trinkmenge sollte zur Verdünnung des Schleimes auf gut 2,5 – 3 Liter Wasser oder Kräutertee gesteigert werden. Eibisch, Spitzwegerich und Efeu bewirken durch die in ihnen enthaltenen Saponine zudem noch eine Verdünnflüssigung des Schleims. Eine ähnliche Wirkung haben Inhalationen mit Salzlösungen. Thymian, Myrtol und Eukalyptusöl unterstützen die Sekretion der Drüsenzellen. Es fließt mehr und dünnflüssigeres Sekret.
Medikament                         Hersteller      Preis der Tagesdosis
Sinuc Saft, Hustenlöser            Biocur              0,30
Ambroxol 30 Heumann, Tabletten     Heumann             0,45
Lindoxyl Tabletten                 Brahms              0,46
Ambroxol AL Saft                   Aliud Pharma        0,74
Isla-Moos, Pastillen               Engelhard           0,91
Sinuforton Kapseln                 Lichtenstein        0,97
Ipalat Halspastillen               Dr. Pfleger         1,16
Larylin Husten-Löser,              Pastillen Merck     1,24
Tussamag Hustensaft N zuckerfrei   Ct-Arzneimittel     1,55
Aspecton Hustentropfen             Krewel              1,98
Bronchoforton Saft                 Lichtenstein        1,94
Im Test der Stiftung Öko-Test wurden 52 Hustenmittel untersucht. Die genannten 11 Medikamente erhielten ein „sehr gut“

Taucher und Husten
Nur der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle wiederholt, dass alle Taucher mit akuten Infektionen der Atemwege grundsätzlich nicht tauchtauglich sind. Die Gefahr eines air trapping und eines nachfolgenden Lungen-Barotraumas ist deutlich gesteigert.

Literatur
  1. Erkältungen – Richtig gut durch den Winter. Öko-Test Verlags GmbH, Frankfurt, Heft 2 (2003)
  2. IMS Heath, OTC-Report APO off-take 2003 (zitiert nach A)
  3. Archives of Otolaryngology, 127, 11: 1353-1356 (2001)
  4. Gwaltney, J. M. Journal of Infectious Diseases, 186, 2: 147-154 (2002)
  5. Buchbauer, G.: Aromatherapie naturwissenschaftlich betrachtet. Z. Phytother. 19, 209-212 (1998).
  6. Dinckler, K.: Ueber die biologische Wirkung verschiedener Reinstoffe im ätherischen Oel von Menthaarten. Pharm. Zentralhalle 77, 281 - 290 (1936).
  7. EuAB 1997: Monographie Pfefferminzöl, 1467 - 1469
  8. Göbel, H., Fresenius, J., Heinze, A., Dworschak, M., Soyka, D.: Effektivität von Oleum menthae piperitae und von Paracetamol in der Therapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp. Nervenarzt 67, 672 - 681 (1996).
  9. Jellinek, S.: Psychodynamische Wirkungen von Gerüchen und ihre Mechanismen. Dragoco-Report 48, 205 - 225 (1996).
  10. Kohlert, C., van Rensen, I., März, R., Schindler, G., Graefe, E. U., Veit, M.: Bioavailability and pharmacokinetics of natural volatile terpenes in animals and humans. Planta Med. 66, 495 - 505 (2000).
  11. Loew, D.: Ätherische Öle in der Behandlung der Erkältungskrankheit. In Tyrell, D. A. J. (ed.), Erkältungskrankheit, 229 - 241. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart/Jena/New York 1996.
  12. Pschyrembel Wörterbuch Naturheilkunde, 284. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2000.
  13. Teuscher, E.: Pharmazeutische Biologie. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1990.
  14. van Rensen, I., Kohlert, C., März, R., Veit, M.: Ätherisch-Öl-haltige Zubereitungen. Z. Phytother. 20, 72 - 74 (1999).
  15. Almeling, M. Barotraumen der Kompressionsphase. In: Almeling, M. Böhm, F. Welslau, W. Handbuch der Tauch- und Hyperbarmedizin. Ecomed Verlag Landsberg, Kapitel II-3.3 (1996).
  16. Hofman, Th. Wirkung von Corticoiden und anderen topischen Medikamenten auf die Ziliaraktivität in vitro. Vortrag 21. Grazer Workshop Nasenendoskopie, endoskop. Diagnostik u. operative Technik, 05. - 07.09.96, Graz, Österreich

Autor
Dr. med. Michael Almeling
Neuer Garten 1A
34454 Bad Arolsen
Dr.Almeling@tauchmedizin.net
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© Dr. med. Michael Almeling